Paul Jaminet im Interview über Paleo Kinder

Paul Jaminet mit Jan Engling von Paleokinder

Klasse! Wir hatten in Berlin die Gelegenheit, mit Paul Jaminet zu sprechen. Paul ist Autor des Bestsellers „Perfect Health Diet“ (PHD) und selbst noch junger Vater. Die von Paul propagierte Ernährungsweise ist der Paleo Ernährung sehr ähnlich, weshalb er auch als Redner sowohl auf der Paleo Convention als auch auf dem Symposium der Deutschen Gesellschaft für Paläo Ernährung in Berlin auftrat. Da es uns sehr wichtig ist, auf paleokinder.de möglichst vielschichtige Meinungen zum Thema Paleo mit Kindern darzustellen (bei diesem Thema gibt es unseres Erachtens kein richtig oder falsch), haben wir uns sehr darüber gefreut, dass Paul sich für unsere Fragen Zeit genommen hat.

Paul Jaminet spricht über Perfect Health Diet oder Paleo mit Kindern

Über Paul Jaminet

Dr. Paul Jaminet ist New York Times Bestseller Autor des weltbekannten Buches “Perfect Health Diet”. Er war Astrophysiker am Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik und berät heute Start Up Unternehmen. Eine Autoimmunerkrankung und neurologische Probleme haben ihn letztendlich auf den Pfad der gesunden Ernährung gebracht. Paul ist beim Thema Ernährung Wissenschaftler durch und durch. Er belegt all seine Konzepte und Vorgehensweisen mit harten Fakten. Dabei ist er extrem scharfsinnig und akribisch. Trotz seines Erfolges und der großen Nachfrage nach seinre Person ist Paul extrem bescheiden, hilfsbereit und demütig gegenüber der Sache und den betroffenen Person. Darüber hinaus ist er selbst junger Vater.

Unsere Fragen an Paul Jaminet

Jan von Paleokinder: Lieber Paul, vielen Dank, dass du dir für uns Zeit nimmst. Die Leser und Macher von paleokinder.de wissen das sehr zu schätzen. Wie alt ist dein Sohn im Moment?

Paul Jaminet: Luke ist 11 Monate alt.

Jan von Paleokinder: Wie sieht seine Ernährung aus? Wie strikt folgt er der Perfect Health Diet (PHD – Paleo sehr ähnlich – Anmerkung paleokinder.de)?

Paul Jaminet: Er ist ja noch ein Baby und folgt der Ernährung daher sehr strikt. Er nimmt die meisten Kalorien über eine Mischung aus pürierter Nahrung und Babynahrung zu sich. Wir mischen Kartoffeln, Rote Beete, gemischten anderen Gemüsen wie Spinat, fermentiertes Gemüse, etwas Leber, Eigelb, Kokosmilch, Essig, Fischsauce so, dass in etwa die Makronährstoffe der Muttermilch nachgebildet werden. Das machen wir ein Mal pro Woche und frieren es in kleineren Portionen ein. Jeden Tag tauen wir eine Portion in der Mikrowelle auf und vermischen sie mit Babynahrung. Wenn er richtig hungrig ist, trinkt er diesen Mix.

Immer wenn er weniger hungrig ist, isst er feste Nahrung so wie wir, aber mit extra Fett (Avocado, Rinderfett etc.) und extra Kohlenhydraten, dafür aber weniger Eiweiß als ein Erwachsener essen würde. Außerdem geben wir ihm eine ganze Reihe unterschiedlicher Snacks: Er liebt es, Fleisch von Knochen zu knabbern, Reis mit Spinat und Kokosmilch, Avocado, Wassermelone, Nektarinen und Schokolade (85% Kakaoanteil).

Jan von Paleokinder: Wie hat sich seine Ernährung über die Zeit entwickelt?

Paul Jaminet: Die ersten drei Montate hat er nur Muttermilch zu sich genommen. Dann sind wir auf Babynahrung umgestiegen, haben aber sofort Eigelb dazu gegeben. Wir waren sehr darauf bedacht, Eiweiß zu minimieren. Wir haben das Eigelb in ein Sieb gegeben und es punktiert, so dass nur das Eigelb und nicht der Dottersack (die Hülle, in dem sich das Eigelb befindet – Anmerkung von paleokinder.de) in die Milch gelangt ist. Wir haben auch etwas Essig, Fischsauce und kleine Mengen an Nahrungsergänzung (Vitamin A, Vitamin D, Vitamin C, Magnesium, Vitamin B5 und Jod auf die Haut) gegeben.

Jan von Paleokinder: Auch wenn er noch sehr jung ist, wie seid ihr mit Situationen außer Haus umgegangen?

Paul Jaminet: Wir haben solche Situationen bis vor kurzem gemieden. Er hat das erste Mal mit 9 Monaten außer Haus gegessen und macht sich seitdem richtig gut in Restaurants. Er ist sehr aufmerksam und beobachtet gern andere Kinder.

Jan von Paleokinder: Eines interessiert unsere Leser immer sehr brennend: Könnt ihr schon sagen, wie ihr mit der Ernährung z.B. im Kindergarten umgehen wollt?

Paul Jaminet: Klar, das ist noch eine Weile hin. Wir werden ihm Essen mitgeben und hoffen, dass er bis dahin gutes von schlechtem Essen unterscheiden kann und gutes Essen einfach lieber mag. Im Moment mag er alles, was wir ihm geben und er hat noch nie etwas abgelehnt. Er hat noch nie etwas gegessen, was wir als ungesund ansehen.

Jan von Paleokinder: Viele Paleo Eltern befinden sich im Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach optimaler Ernährung ihres Kindes auf der einen Seite und nach dem Streben, das Kind selbstbestimmt aufwachsen zu lassen auf der anderen Seite. Was ist deine Sichtweise hierbei?

Paul Jaminet: Ich denke, man sollte nur Nahrungsmittel verfügbar haben, die gut für die Kinder sind, und sie dann selbst wählen lassen. Normalerweise haben sich unsere Gehirne so entwickelt, dass sie uns dazu bringen, nur das zu verlangen, was gut für uns ist. Vorausgesetzt man arbeitet mit einem ursprünglichen Ernährungskonzept (wie Paleo – Anmerkung paleokinder.de). Also können Eltern ihren Kindern vertrauen, sofern sie noch nicht von Zucker und ähnlichem abhängig sind.

Jan von Paleokinder: Was sind eure Rezept Highlights für Kinder?

Paul Jaminet: Meine Lieblingsrezepte sind die, die einfach für uns sind, also auch das, was wir essen. Für kleine Kinder sollte das Essen der Erwachsenen so modifiziert werden, dass es mehr Fett und Kohlenhydrate enthält und weniger Protein. Das ist recht einfach für uns. Wir bereiten einfach ausgewogene Mahlzeiten zu und geben dem Baby weniger Fleisch. Das oben beschriebene Püree ist ebenfalls eine einfache Vorgehensweise, es macht zwar Arbeit bei der Vorbereitung, aber das ist nur ein Mal in der Woche, da das Essen dann für eine ganze Woche reicht.

Jan von Paleokinder: Was sind deine wichtigsten praktischen Tipps, die du Paleo/PH Eltern mitgeben möchtest?

Paul Jaminet: Versucht nach dem zirkadianen (tagesrhythmisch – Anmerkung paleokinder.de) Rhythmus zu leben. Es ist für Eltern genauso wichtig, gesund zu sein. Und wenn das Kind tagsüber Licht und Aktivität bekommt, dann schläft es nachts auch gut und das Leben der Eltern wird sehr viel einfacher sein.

Jan von Paleokinder: Gibt es sonst noch etwas, was du Paleo/PHD Eltern mit auf den Weg geben möchtest?

Paul Jaminet: Es gibt nichts Besondereres als ein Kind zu haben. Schiebt nichts auf und bereut nichts.

Jan von Paleokinder: Paul, wir bedanken und ganz herzlich für deine Zeit und Mühe. Dir und deiner Familie alles erdenklich Gute!

 

3 Antworten

  1. Hallo Constantin
    das ist ja alles gut und recht. Schaut man aber über den Tellerrand nach Osten in Richtung 5-Elementen Ernährung der Chinesen oder Ayurvedischen Ernährung, befällt einem das blanke Entsetzen. Das arme Kind kriegt alles aus dem Tiefkühler! Das gilt als energetisch völlig wertlos und kann zu ganz unspezifischen Gesundheistbeschwerden führen, die mit der Rückkehr auf frisch zubereitete und sofort verspeiste Kost wieder verschwinden können.
    Tiefgekühltes sollte die Ausnahme nicht die Regel sein.
    MfG Sophie Moor

    • Liebe Sophie,
      vielen Dank für deinen Input! Habe auch schon von dieser Sichtweise gehört. Aus evolutionärer Perspektive ist es nicht unplausibel. Es gab früher keine TK-Kost. Kennst du Studien dazu? Eine Frage noch: Wer ist Constantin? :-)
      Herzliche Grüße von Jan

      • „Wer ist Constantin?“ – Das ist der ‚too many Tabs open‘ – Effekt… 😉

        C. G. Schmitz => blog.paleosophie.de

        Aber das wusstest Du vermutlich schon… 😉

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