Paleo Ernährung und Elternsorgen

Lisa_PulledPork

Unsere Kinder leben in einer Paleofamilie. Das konnten sie sich nicht aussuchen und sie unterscheiden sich allein beim Thema Essen durch ihre Paleo Ernährung von vielen anderen Kindern. Dieses „Anders-Sein“ bereitet uns tagtäglich Kopfzerbrechen. Wie alle Eltern wollen wir für unsere Kinder nur das Beste. Wir sind uns ziemlich sicher, dass unser Paleo Lebensstil sehr viel Positives für sie bietet. Aber wie viel Negatives wird das Abweichen von der Norm insbesondere dann mit sich bringen, wenn sie größer sind? Wie werden wir damit umgehen? Gern würde ich unsere Überlegungen und Erfahrungen mit euch teilen.

Keine große Überraschung: Unsere Kinder essen Paleo

Bisher sind wir hier sehr konsequent. Gut, mein Sohn darf Milchprodukte zu sich nehmen. Aber Moment: Er ist ja erst sieben Wochen alt und nimmt nur Milchprodukte zu sich;-) Und wir werden ihn so lange 100% mit Muttermilch versorgen, wie er das möchte. Das hat bei unserer Tochter wunderbar funktioniert und wir folgen nicht der Meinung, dass Kindern ab 6 Monaten (oder wie die Empfehlungen gerade sind) Beikost angeboten werden muss, da sie ansonsten in irgendeiner Art und Weise unterversorgt sind.

Für uns ist Baby-Led-Weaning Paleo Ernährung

Wenn unser Sohn etwas anderes als Muttermilch Essen möchte, so kann er das gern tun. Bei unserer Tochter begann das Interesse an anderem Essen außer Muttermilch circa im Alter von einem Jahr. Sie hat dann einfach unser Essen probiert und nach und nach immer mehr davon gegessen. Trotzdem wurde sie bis zum Alter von ca. 2,5 Jahren weiter gestillt. Interessanterweise haben wir dann irgendwann erfahren, dass diese Vorgehensweise, die für uns ganz natürlich und damit Paleo war, auch einen Namen hat. Sie wird als Baby-Led-Weaning bezeichnet. So lange es hilft, solche Praktiken mit bestimmten Namen zu verbreiten, immer her damit. Wir machen ja mit dem Begriff „Paleo“ nichts anderes. Für uns zeigt sich bereits am „Wie?“ des ersten Kontaktes mit fester Nahrung, dass eine Paleo Ernährung deutlich mehr beinhaltet, als erlaubte und verbotene Nahrungsmittel zu definieren.

Kleine Kinder kleine Paleo Sorgen, große Kinder große Paleo Sorgen

Bei meiner Tochter (3,5 Jahre) gestaltet es sich leider nicht mehr so einfach. Für uns gehört auch zu einer Paleo Ernährung, dass Kinder selbst entscheiden können, was sie essen möchten. Bei Naturvölkern können Kinder meist selbst wählen, was sie essen. Und wir nehmen jetzt einfach mal an, dass dies in der Steinzeit nicht anders war (obwohl ich nicht weiß, wie man das jemals durch Ausgrabungen herausfinden will;-)). Wenn man also davon ausgeht, dass Paleo Kinder selbstbestimmt essen sollten, so sollten sie auch alles das essen dürfen, was sie wirklich wollen. Aber: In der Steinzeit war das automatisch okay, weil ja alle Nahrungsmittel Paleo waren. Es gab keine externen Einflüsse wie Werbung und Supermarktregale. Es gab kein industrielles Junk Food. Hier befinden wir uns ständig in einer Zwickmühle: Selbstbestimmung oder Eingriff durch die Eltern?

Paleo Süßkartoffel Pommes

Unsere Tochter hat mit mir Paleo Süßkartoffel Pommes zubereitet

Bisher isst unsere dreieinhalbjährige Tochter vollständig Paleo

Wir haben uns bis jetzt dafür entschieden, unserer Tochter nur Paleo-konformes Essen zu geben. Sie hat ohnehin Getreide- und Milch-Unverträglichkeiten, was die Argumentation mit externen Personen erleichtert. Aber liebe Paleo Eltern, wenn man der evolutionsbiologischen Perspektive von Paleo folgt, wer hat dann keine Getreide- und Milchunterverträglichkeit?

Auch bei Paleo Nahrungsmitteln setzen wir Grenzen

Auch im Paleo-Rahmen halten wir ab und an eine Hand über ihr Essverhalten. Ansonsten gäbe es Tage, an denen sie sich ausschließlich von Bananen ernähren würde. „Fruit are mother natures candy.“ Insofern geben wir Obst nicht vollständig frei. Sind wir uns bei dieser Entscheidung 100% sicher? Fühlen wir uns damit immer gut? Mitnichten! Es kommt hinzu, dass man hier vergebens auf Verständnis von Nicht-Paleos hofft. Aber auch dafür haben wir Verständnis. Wie soll jemand verstehen, dass ich meiner Tochter nicht erlaube, permanent Bananen zu essen, wenn für diese Personen Bananen super gesunde Nahrungsmittel darstellen?

Unser soziales Umfeld unterstützt unsere Paleo Ernährung

Wovon wir immer wieder begeistert sind, ist unser näheres soziales Umfeld, was unfassbar rücksichtsvoll mit unseren „Esskapaden“ umgeht. Meine Tochter verbringt zwei Tage in der Woche bei ihren Großeltern, wo sie zwar die ein oder andere Banane mehr bekommt, aber ansonsten absolut Paleo konform isst. Bei unseren engen Freunden ist es ähnlich. Dort gibt es immer etwas, was wir essen können. An dieser Stelle ganz liebe Grüße und ein dickes Dankeschön an Julia und Maik für die grandiosen Grilltage! Das Pulled Pork ist der Hammer! Ansonsten haben wir immer Paleo Snacks oder Essensalternativen dabei (oder bereiten z.B. unser ultimatives Paleo Eis). So entstehen selten Diskussionen mit meiner Tochter, ob sie Nicht-Paleo-Nahrung zu sich nehmen darf. Bei vielen Dingen habe ich auch die Vermutung, dass diese für sie gar keine relevante Nahrung darstellen.

Wir erwarten zunehmende Schwierigkeiten, ältere Kinder Paleo zu ernähren

Ich weiß nicht, wie sich das Essverhalten verändert, wenn unsere Tochter älter und noch mehr außerhalb der Familie unterwegs sein wird. Ich kann heute auch noch nicht sagen, wie wir den auftretenden Situationen umgehen werden. Es ist ja ihr Leben und nicht unseres. Auf der anderen Seite üben dann viele Leute einen in unseren Augen nicht positiven Ernährungseinfluss auf sie aus. Wie sehr müssen wir dem entgegenwirken? Aber auch hiermit werden wir umgehen müssen und davon berichten.

Hierzu eine kleine ermutigende Anekdote. Ein guter Freund von mir rutscht auch immer mehr in die Paleo Geschichte hinein. Sorry dafür;-) Er lebt in Trennung und als er uns neulich mit seinem 10-Jährigen Sohn besuchte, sagte dieser zu mir: „Jan, jetzt wo ich drei Wochen bei Papa bin, will ich auch so essen wie er.“ Insofern glaube ich, dass wir unseren Kindern bei Entscheidungen, was sie essen wollen, sehr viel zumuten und vertrauen können.

Paleo Kind

Unsere Tochter hat sich eine Räuchermakrele geschnappt

Unsere Paleo Erfahrungen mit Kindergarten und Kindergeburtstagen

Momentan sind diese Erfahrungen noch begrenzt. Unsere Tochter geht drei Vormittage pro Woche in einen Spielkreis. Dort gibt es ein gemeinsam zubereitetes Frühstück. Als die Dame, die diesen Spielkreis mit den Kindern durchführt, von den Unverträglichkeiten unserer Tochter erfuhr, schlug sie von sich aus vor, nur geeignete Lebensmittel für das gemeinsame Frühstück zu verwenden. Da es insgesamt nur drei Kinder sind, besorgen wir die Zutaten dafür. So bekommt unsere Tochter auch im Spielkreis ihr Bio-Paleo-Essen.

Sehr gerührt waren wir von den beiden Kindergeburtstagen, die von den Spielkreiskindern zu Hause ausgerichtet worden sind. Auch dort haben die Eltern nur für unsere Tochter geeignetes Essen bereitgestellt. Ein Traum!

Ein nächstes Kapitel wird aufgeschlagen, wenn unsere Tochter im August in den richtigen Kindergarten kommt. Es ist ein Waldkindergarten, in den sie von 8 bis 12 Uhr gehen wird. Mittagessen wird es nicht geben. Die Kinder bringen ihr eigenes Frühstück mit, was diese Situation deutlich entschärft. Wir müssen uns noch überlegen, wie wir mit den mitgebrachten Leckereien an Kindergeburtstagen umgehen werden.

Die Zukunft der Paleo Ernährung unserer Kinder

Wir werden immer wieder vor der Herausforderung stehen, die Selbstbestimmtheit unserer Tochter (und später unseres Sohnes) mit der in unseren Augen gesunden Ernährung in Einklang zu bringen. Hin und wieder wird es Konflikte geben. Ab einem gewissen Alter planen wir, den Kindern die Entscheidung über ihr Essen vollständig zu überlassen. Wann das sein wird, kann ich noch nicht sagen. Zu Hause wird es natürlich immer nur Paleo geben.

Wir werden stets versuchen, durch unser Vorbild und durch unsere Gespräche zu verdeutlichen, warum die Paleo Ernährung in unseren Augen essentiell ist. Vielleicht wird es Phasen geben, wo sie sich überhaupt nicht darum schert. Das müssen wir dann akzeptieren. Und Essen darf niemals ein Thema werden, was die Beziehung zwischen Eltern und Kindern beeinflusst. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema.

Common Sense vs. Wissenschaft: Kinder und Süßigkeiten

Zum Abschluss möchte ich ein immer wieder kontrovers diskutiertes Thema aufgreifen. Macht das Verbot von bestimmten Nahrungsmitteln (meist im Zusammenang mit Süßigkeiten diskutiert) diese langfristig noch attraktiver?

Robert Lustig, Professor für Neuroendokrinologie an der Universität von Kalifornien, glaubt nicht an die landläufige These, dass Kinder im späteren Leben besonders stark nach Süßigkeiten verlangen, wenn Ihnen diese in jungen Jahren verwehrt wurden. Er sieht in den aufkommenden Forschungsergebnissen vielmehr die Bestätigung des Gegenteils. Je mehr Zucker man als Kind konsumiert hat, desto mehr wird man auch als Jugendlicher und Erwachsener konsumieren.

Ich freue mich, eure Kommentare über eure Paleo Erlebnisse mit Kindern zu lesen!

Herzlich, euer Jan

 

Ich freue mich wirklich über eure Kommentare. Aber bitte: Alles was hier steht, ist meine, auf Basis meiner Interpretation der wissenschaftlichen Literatur und auf Basis meiner Erfahrungen gebildete Meinung. Damit möchte ich niemanden angreifen, der eine andere Meinung hat. Ich möchte anregen und helfen. Bitte formuliert auch eure Kommentare so. Danke!

 

12 Antworten

  1. Lieber Jan, vielen Dank für Deine Erfahrungsberichte. Ich kann Euch nur beglückwünschen, zu so viel Akzeptanz in Eurer Umgebung.

    Kurz etwas zu uns: meine Paleo-Lotti ist mittlerweile 10 Monate – in den nächsten Wochen sollte die Eingewöhnung in der KiTa losgehen. Ein riesiges Problem stellt dort das Essen dar – der Speiseplan verspricht Geschmacksverstärker, Phosphat, Konservierungsstoffe, Süßstoffe etc. Hier ist es so, dass sich die Eltern für einen Menülieferanten entscheiden – und wir sind tatsächlich die ersten, die sich weigern, ihr Kind diesen Mist zu geben (Paleo oder nicht Paleo mal ausgeblendet) und die Leitung ist davon überzeugt, dass es sich hierbei um einen gesunden Speiseplan handelt.

    Vorsorglich haben wir uns eine „Empfehlung“ vom KiA geben lassen, Lotti solle glutenfrei ernährt werden, da wir schon vermuteten, dass es hier keine Ausnahmeregelung sonst geben wird. Unser Angebot, Lotti dann selbst zu versorgen, wurde abgelehnt. Es sieht sich dort niemand in der Lage, mittags ein Essen zu erwärmen. Darüber hinaus benötigen sie das Attest des Arztes, da diese Empfehlung nicht ausreicht.

    Ein „Sie erwarten doch nicht wirklich, dass wir unser Kind solches Essen zumuten“ beantwortete die Leitung mit „Sie müssen ihr Kind hier nicht unterbringen“.

    Nun sind wir momentan auf der Suche nach einem Kindergarten, der diese Möglichkeit der Selbstversorgung akzeptiert.

    Wir sind gefrustet, dass in den Kindergärten in unserer Nähe sich so wenig mit dem Essen auseinander gesetzt wird. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Zucker wird hier nicht mal ansatzweise gelebt. Es gibt Puddingsuppe mit Zwieback und hinterher noch lecker Apfelmuß – nachmittags dann noch ein schönes Stück Kuchen…

    Gerade jetzt merken wir wieder, wie stupide unsere Mitmenschen ihren Alltag abspulen. Wie bequem es doch ist, die Dinge so zu lassen, wie sie sind.

    in der kommenden Woche wird es nochmal ein Gespräch geben. Ich hoffe, dass wir dann in der neuen KiTa die Möglichkeit haben, Lotti selbst versorgen zu können.

    Viele Grüße,
    Aline

    Ps mich interessieren brennend neue Rezepte für Kinder – habt Ihr hier bereits ein niedergeschriebenes Sammelsurium?

    • Liebe Aline,
      es ist schon starker Tobak, dass die Kita das nicht akzeptiert. Unverträglichkeiten sind heutzutage wirklich häufig auch in Kindergärten o.ä. akzeptiert. Ich kann es schwer aus der Ferne beurteilen, aber wenn die Kita so reagiert, solltet ihr euch fragen, ob es noch Alternativen gibt.
      Ich werde bald weitere einfache Rezept-Highlights posten. Bitte hab etwas Geduld:-)
      Herzlichen Dank für deinen Beitrag!

      Alles Gute, Jan

  2. Hallo.

    Ein lesenswerter Artikel.

    Meine Tochter „wohnt“ nur alle zwei Wochen, am Wochenende bei mir.
    Bislang habe ich sie weiterhin mit, z. B. Brötchen versorgt. Meine Tochter ist 10 Jahre und bestimmt ihr Leben zum Teil schon allein.
    Damit ist nach lesen diesem Artikel Schluss!

    Ich werde versuchen ähnlich konsequent wie Sie zu sein.
    Mal sehen welche Konflikte dies erzeugt.

    • Lieber Andreas,
      ich wünsche dir hierbei viel Erfolg und Kraft, aber auch Verständnis und Nachsicht!
      In diesem Artikel (http://paleokinder.de/paleo-hilft-bei-adhs) habe ich einen kurzen Abschnitt dazu geschrieben, warum eine Umstellung von Nicht-Paleo-Kindern auf Paleo ein Unterfangen ist, bei dem wir viel Verständnis für den Widerstand der Kinder haben sollten. Insbesondere Zucker und Getreide erzeugen eine physiologische Abhängigkeit.
      Alles Gute, herzliche Grüße von Jan

  3. Hallo Jan,
    wieder ein sehr lesenswerter Artikel. Meine Tochter ist 9 und bei ihr habe ich die“normale“ Ernährung quasi „ausgeschlichen“. Am Anfang gabs für sie extra mal Nudeln, Brötchen und ihr geliebtes nutella. Viele Gespräche um das große Wieso-weshalb-warum es das zukünftig nicht mehr geben wird, hatten so ne Art Abschiednehmen zur Folge. Sie wurde so nach und nach entwöhnt und heute vermisst sie gar nichts mehr. Ich zeige ihr dazu immer viele paleokonforme Alternativen auf und die werden durchweg angenommen. Mittlerweile macht sie schon Werbung in der Schule für Paleo-Pancakes und ist regelmäßig schockirt wo überall ganz viel Zucker drin ist.

    Das einzige, was ich nicht beeinflussen kann ist das Mittagessen in der Schule, aber sie frühstückt so ausgiebig, dass sie mittags immer wie ein Spatz isst und da es ihr dort auch nicht schmeckt isst sie meist eh nur Salat oder Gemüse und somit sehe ich das auch nicht als ganz so schlimm.

    Was mich leider richtig stört ist unser Umfeld, da haben wir nicht so viel Glück wie ihr. Ständig meint die Oma meiner kleinen Süßigkeiten zustecken zu müssen. Da gabs tatsächlich schon den ein oder anderen Streit, aber die kann mit ihren 9 Jahren auch schon ganz schön paroli bieten. Bei manchen Süßigkeiten lässt sie sich dann aber doch schon hinreißen. Ich sehs dann als Ausnahme und leg es als selbstbestimmte Entscheidung ab.

    Mir ist wichtig, dass sie zu hause nur nach Paleo ernährt wird, und dass sie dieses akzeptiert und mit der Zeit auch danach leben kann. Und ich denke wir sind da auf einem guten Weg.
    VLG Nadine

  4. Hallo Jan und alle anderen,

    meine Tochter ist schon erwachsen und ich habe sie als Baby und Kind großteils paleo/primal ernährt, ohne überhaupt zu wissen, dass es das gibt :)

    Damals waren es rein praktische Überlegungen.
    Ich hatte als negatives Beispiel die Tochter meiner Freundin vor Augen, die ein Jahr älter ist als meine und schon als Kleinkind am liebsten Pommes mit Ketchup, Nutellabrot und Schokokekse aß und die ganze Wohnung immer mit ihren Fingern verschmiert hat. Das wollte ich auf keinen Fall!

    Also gab es bei uns keine Schokolade oder anderes Süßes, statt dessen eben Möhren- und Gurkenschnitze, Apfelschnitze usw.
    Gekocht habe ich immer selbst und frisch, so wie ich es von meiner Mutter kannte. Fleisch, Geflügel, Eier, Gemüse, Salat, selbstgemachte Soße und damals noch öfter Kartoffeln und Nudeln.

    Die Folgen davon?
    Ich konnte beim Essenvorbereiten nicht schnell genug gucken, dann hatte die Kleine schon das rohe Gemüse geschnappt und kaute vergnügt darauf herum – sogar Kartoffeln schmeckten ihr roh besser als gekocht.
    Bis sie in die Schule kam, hat sie überhaupt keine Süßigkeiten gegessen. Nicht weil ich es ihr verboten hätte, sondern es war ihr alles zu süß, weil sie nicht an den Geschmack gewöhnt war. Sie mochte auch keinen Honig und hat sogar den Kirschlolly im Laden um die Ecke abgelehnt und gefragt, ob sie lieber eine Möhre haben könnte.
    Und die Schokoeier zu Ostern hat sie sehr gern ausgepackt (die glitzernde Folie war toll), aber essen mussten Mama und Papa sie dann :)
    Glücklicherweise war sie in einem kleinen Montessorikinderhaus, in dem auch auf eine frische Ernährung ohne viel Süßes geachtet wurde und es auch bei Geburtstagen usw. immer Alternativen zu Schokolade und Kuchen gab. Aber ich hätte es auch in einem anderen Kindergarten eingefordert, schließlich habe ich als Mutter die Erziehungsgewalt.

    Weil sie mein selbstgekochtes Essen gewohnt war, hat ihr das Tüten- und Dosenessen bei Verwandten und Freunden nicht geschmeckt, das war ihr zu „eklig im Mund“.
    Das hat schon zu Diskussionen geführt, weil mir vor allem die Oma vorwarf, ich würde ihr durchgehen lassen, dass sie am Essen herummäkelt.

    Bei Fastfood haben wir die Regel aufgestellt, dass es etwas Besonderes ist, was es nur im Urlaub gibt. Da wir damals 2-3 mal im Jahr weggefahren sind, war das eine beherrschbare Größe. Und wenn es zwischendrin mal die Frage danach gab, war meine Antwort „Sind wir grade im Urlaub? Nein, also gibt es auch keine Pommes.“

    Zur Problematik der Selbstbestimmtheit, wie Du es nennst, ist meine Einstellung wie folgt:
    Ich weiß, was meinem Kind gut tut und auch, was ihm schadet (zb Gluten- oder Milchunverträglichkeit, Fastfood vs. frisches Paleoessen).
    Die Dinge, die ihm nicht guttun, würde ich ihm nicht geben, weil ich ihm nicht bewusst schaden will. Und solange es nicht alt genug ist, diese Entscheidung selbst zu treffen, übernehme ich die Verantwortung. Genau wie beim Auf-die-Straße-rennen, einer heißen Herdplatte oder Sandalen im Winter.
    Je selbstverständlicher man als Eltern mit einer „nicht-normalen“ Ernährungsweise umgeht, desto problemloser akzeptieren es auch die Kinder, nach dem Motto „Bei uns ist es eben so, bei anderen anders.“

    Das würde ich so tun, selbst wenn ich damit in meiner Umgebung als komischer Kauz oder herzlose Mutter angesehen würde.
    Gerade in so wichtigen Dingen wie Ernährung finde ich es gut, wenn man seine eigene Linie hat und sich nicht durch den Gruppendruck davon abbringen lässt. („Du bist zu streng mit dem Kind – das ist ja schon fanatisch – ein paar Süßigkeiten/Pommes/Chips/Burger haben noch keinem geschadet – du machst dein Kind zum Außenseiter“ und so weiter)

    Das ist auch ein gutes Beispiel für die Kinder – meine haben in der Schulmensa nicht mitgegessen, weil sie das Essen einfach ungenießbar fanden. Statt dessen haben sie die Überbleibsel vom Vortag mitgenommen und damit einigen Mitschülern ein Vorbild geboten.

    • Liebe Petra,
      ein dickes Dankeschön für diesen ausführlichen und hilfreichen Post! Viele Paleoeltern – mich eingeschlossen – werden daraus Energie, Überzeugung und Durchhaltevermögen ziehen. Auch wenn alle Eltern, die den Weg hierher finden, ähnlich ticken, so haben doch die wenigsten Gleichgesinnte im Alltag. Daher hilft dein Bericht sehr, vor allem, weil du von einem „Ergebnis“, also einem mittlerweile erwachsenen Kind erzählst.
      Danke dir nochmals und alles Gute von Jan

  5. Frage an Petra!

    Hallo Petra, das ist ein toller Bericht. Mich würde interessieren, wie Deine Tochter heute ißt, Du schreibst, sie ist schon erwachsen. Und wie war es in der Pubertät?
    Meine Kinder sind in eben dieser und da ist doch der Wunsch nach Chips und Co und wenn sie in „der Stadt“ sind ist das Highlight mit Freunden halt ein Burger/Döner. Allerdings lassen sie sich auf die „zuhause gesund“ Regel ein und wissen (na immerhin), dass vieles einfach Müll ist und merken es auch an z.B. vermehrten Pickeln 😉
    ich hoffe darauf, dass die (weitestgehend) gute Grundlage von zu Hause sich irgendwann durchsetzt….?
    lg Angela

    • Hallo Angela und alle anderen,

      das habe ich beim ersten Post ganz vergessen :)

      Also… in der Schule ging es dann los mit den Süßigkeiten, da hat sie sich an den süßeren Geschmack langsam gewöhnt.
      Ich hab es nicht gut gefunden, hab mir aber gedacht, je mehr ich Druck mache, desto mehr hält sie dagegen. Also gab es bei uns (und für die Schule als Pausen“brot“) Alternativen, viel frisches Obst und Gemüse mit Dip als Fingerfood und so was wie Fleischbällchen, was man gut aus der Hand essen kann. Das Zusammen-Vorbereiten war auch eine gute Gelegenheit, Zeit miteinander zu verbringen und über die Lebensmittel zu sprechen.
      Das haben wir bis zum Schulabschluss so gehalten.

      Sie fand es lecker und auch ein Zeichen von Liebe und Verbundenheit, das war noch wichtiger. Und ich fand es sehr interessant – sie hat oft gesagt, dass die anderen entweder beim Bäcker ihr Frühstück kaufen oder verpackte Süßigkeiten und Küchlein usw. mitbringen und sie das sehr traurig findet, dass die Eltern sich nicht mal um das Schulessen für ihre Kinder kümmern.
      Da sie mein Essen immer sehr lecker fand, waren solche Dinge keine Verlockung für sie, im Gegenteil – oft hat sie mich gebeten, ihr mehr mitzugeben, damit sie mit ihren Freundinnen teilen kann, weil die das auch lieber essen würden.

      Natürlich gab es in der Pubertät auch die McD-Besuche mit Freunden, da zog die Regel mit dem Urlaub dann nicht mehr :)
      Aber da ihr Geschmack schon so lange anders geprägt war, blieb es bei einzelnen Besuchen, weil die Erzeugnisse dort ihr einfach nicht gut schmeckten.
      Das war auch die Zeit, wo ich angefangen habe, ihr tiefergehendes Wissen über gesunde Lebensmittel nahezubringen. ZB Essen als Kraftstoff für den Körper – ins Auto würden wir auch nichts anderes als Benzin tanken, weil es sonst kaputtgeht und so weiter. Oder auch, wie versteckt die Firmen versuchen, mit den immer gleichen Papperzeugnissen den Geschmack zu prägen und das Ziel eigentlich nur Profit ist.

      Nachdem ich dann Paleo entdeckt hatte, wurden diese Gespräche intensiver und wir begannen auch, mit anderen Lebensmitteln zu experimentieren (Kokosmilch und -öl, selbstgemachte Schokocreme, Mayo, usw.). Sie hat gemerkt, dass ihr solches Essen gut tut, auch gesundheitlich, und dann entschieden, dass sie das für sich weitermachen will.

      Inzwischen hat sie einen Freund, der mit Fertigdosen, TK-Pommes und Cola großgeworden ist – und sie beschwert sich regelmäßig bei mir über seine schlimmen Essgewohnheiten! Und kocht so oft wie möglich frisch, hat ihn auch schon auf halb Cola/halb Wasser heruntergehandelt, arbeitet aber noch an frischem Obst und Salat. Er hat inzwischen schon einige Kilos verloren und fühlt sich damit gut. Und … ja, ihm schmeckt das selbstgemachte Essen auch besser als das Fertigzeug, das er von seiner Mutter gewohnt war.

      Also, ich bin wirklich zufrieden, wie sich das bei uns entwickelt hat.

      Drei wichtige Punkte gab es bei mir:
      1. Möglichst viel selbermachen und zwar mit den Kindern zusammen (ich habe dafür auf einige eigene Aktivitäten im Lauf der Zeit verzichtet, aber das war es mir wert), dann wird das Essen mit vielen guten Gefühlen und Erinnerungen verbunden und das zählt sehr.
      2. Ruhe bewahren! Auch einige Gummibärchen-, Geburtstagskuchen- oder McD-Exzesse können überlebt werden und ruinieren nicht sofort die gesamte Gesundheit unserer Kinder. Solange der Großteil gesundes Essen ist, nicht zuviele Gedanken machen (außer es gibt schwere Unverträglichkeiten). Evtl. als Ausweg einen Schummeltag (oder wie bei uns die Urlaubsregelung) einführen, damit der Jepp auf Nahrungsmittel statt Lebensmittel nicht zu stark wird und man noch ein Auge drauf hat.
      3. Das Wissen über gesunde Ernährung und den Sinn davon in jedem Alter kindgerecht erklären und damit nicht nur den Geschmack, sondern auch das Weltbild und die Einstellung der Kinder prägen.

      LG, Petra

  6. Lieber Jan,
    ich möchte hier mal ein riesiges Dankeschön da lassen.

    Meine Kinder sind fast 6 und 2,5 Jahre alt. Mein Mann ein FastFood-Junkie durch und durch.

    Ich selbst beschäftige mich jetzt seit ca einem Jahr mit der Paleo-Ernährung. Anfangs, um selbst so einige Kilos zu verlieren und das chronische Sodbrennen (das in den 3 Wochen vor meiner Umstellung sogar zu regelmäßigem Erbrechen führte!) loszuwerden.

    Während meinem Weg, Paleo zu erkunden und mich zu informieren wo es nur geht, wollte ich den Rest meiner Familie nicht „auf der Strecke“ lassen. Jetzt, nach einem Jahr eigener Erfahrungen, der Feststellung, dass ich definitiv weder Getreide noch Milchprodukte vertrage, und vielen weiteren Erkenntnissen über unsere Ernährung, habe ich meinen Mann und meine Kinder mit ins Boot holen können. Während des letzten Jahres, war es für mich teilweise sehr schwer Paleo für mich durchzuziehen – und ja, ich bin des öfteren gescheitert. Es ist wirklich schwierig nicht nur „sein eigenes Süppchen“ zu kochen, sondern eben etwas passendes für alle parat zu haben. Ich empfinde es als eine „ganz oder garnicht“-Frage.

    Aber ich habe mein Ziel nicht aus den Augen verloren und bin überzeugter denn je. Meine Kinder sind alt genug, um ihnen zu erklären, dass es einen riesigen Unterschied zwischen dem abgepackten Fleisch im Supermarkt und dem Hof mit Weidetieren gibt und dass Erdbeeren nicht zur Weihnachtszeit gegessen werden müssen. Dass nicht alles was verkauft wird auch gut für einen ist. Sie verstehen und vor allem merken bewusst (zumindest mein Mann und die Große), dass bestimmte Nahrungsmittel bestimmte Probleme verursachen. Meine große Tochter reagiert bei Getreidekonsum sofort mit Aphten im Mund – mal von Magen/Darm-Problemen ganz zu schweigen. Sogar mein Mann, der sich sehr sehr schwer tut, sich von Altem zu lösen, geht nun diese Schritte peu a peu mit. Meine kleine Tochter ist GsD sehr unkompliziert und probiert alles mit Begeisterung. Alles in allem finden wir nun so langsam unseren Weg.

    Unser Kindergarten versucht sehr beispielhaft mit der Natur, der natürlichen Bewegung und der Ernährung umzugehen – es werden Pferde und Hühner gehalten, ein großes Gelände mit so vielen Möglichkeiten steht den Kindern frei, es sind ein paar kleine Beete angelegt und propagiert, dass die Lebensmittel natürlich sein sollten usw.

    In der Umsetzung beim Frühstück und Mittagessen (beides wird dort für alle zusammen angeboten; letzteres gibts grundsätzlich aber Zuhause) bin ich dann doch mehr als enttäuscht. Brote, fettarme Kuhmilchprodukte, billige Wurst vom Discounter, Marmeladen. 1 Müslitag… der Eiertag (mit Eiern von den eigenen Hühnern!) wurde wieder abgeschafft… Als ich mit der Ansage ankam, dass meine Tochter ab sofort glutenfrei ernährt wird (das war der erste große Schritt), wurde dies aber ohne Probleme aufgenommen und die Umsetzung klappt soweit. Und trotzdem macht es mich traurig zu sehen, wie viel Potential in diesen Einrichtungen steckt und letzten Endes verpufft. Auch für meine Kinder sind die „Ernährungspyramiden“ dort ständig präsent. Damit wird gearbeitet – es ist wichtig! – Ja, das ist es… Ich bin schon sehr gespannt auf eure Erfahrungen im Kindergarten.

    Was will ich nun mit diesem Posting sagen?

    Ich weiß es gar nicht so genau. Vielleicht finde ich euren Blog einfach nur interessant und beruhigend, denn es geht anderen anscheinend nicht anders. Er hilft zu reflektieren.

    Danke, dass ihr eure Erfahrungen und Gedanken um euch und eure Paleokinder mit uns teilt!

    Viele Grüße aus dem Münsterland,
    Sonja

    • Liebe Sonja,
      ganz lieben Dank für deine Schilderungen. Wir freuen uns sehr über solche Erfahrungen. Und wir fühlen uns bestätigt, dass wir auf die richtigen Prinzipien mit unseren Tipps setzen. Denn eine Paleo-Umstellung einer Familie ist sehr viel mehr ein Beziehungs-, Vorbild-, Hartnäckigkeits- aber auch Loslassen-Thema als ein reines Essensproblem. Das wird immer deutlicher!
      Wir werden in den nächsten Wochen eine große Umfrage starten, um aus einer großen Stichprobe Tipps und Meinungen von Paleo Eltern zu erhalten. Wäre klasse, wenn du auch mitmachen würdest. Bald mehr auf unserer Homepage.
      Herzliche Grüße von Jan

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